Weihnachten in unserer Gemeinde

Ein Fest der Liebe und der Hoffnung

Während die katholischen, orthodoxen und evangelischen Christen ihre eigenen Bräuche zu Weihnachten pflegen, feiern wir, armenische Christen, Weihnachten am 6. Januar und pflegen eigene Traditionen. In Kehl haben wir Surb Patarag mit anschließender Wassersegnung gefeiert. Pate dieses Jahr – Samuel Parlar.

Kehl, 07.01.2024

Das Weihnachtsfest ist für Christen weltweit von besonderer Bedeutung. Orthodoxe, Katholiken und Evangelische zelebrieren es seit dem vierten Jahrhundert als wichtiges Fest im Kirchenjahr. Die armenischen Christen halten an ihrer eigenen Tradition fest, indem sie am 5. Januar mit den vorfestlichen Gottesdiensten Dschrakaluytz, auch als Chêtum bekannt, die Feierlichkeiten einleiten.

Am eigentlichen Dschrakaluytz-Tag, dem 5. Januar, versammeln sich die Gläubigen zu einer beeindruckenden abendlichen Heiligen Messe. Diese markiert den religiösen Beginn des Festes der Geburt des Herrn, begleitet von fröhlichen Hymnen wie „Christus ist geboren und erschienen“. Der Brauch, während des Abendgottesdienstes Öllampen oder Kerzen zu tragen, symbolisiert das Licht Christi und erinnert an den Stern, der die Hirten zur Krippe leitete.

In den Tagen bis zum 13. Januar singen die Gemeindemitglieder das traditionelle Weihnachtslied „O großes und wunderbares Geheimnis“, geschrieben im Jahre 441 von Movses Chorenatzi.

Vielfalt der Traditionen im Vergleich

Die Weihnachtstraditionen der Altorientalischen, Orthodoxen, Katholischen und Evangelischen Kirche reichen weit zurück und prägen die festliche Atmosphäre dieser Jahreszeit.

Die Zeit des Advents, festlich geschmückte Weihnachtsbäume, der Besuch der Kirche und das Austauschen von Geschenken an Heiligabend sind Bräuche, die Menschen unabhängig von ihrer Konfession miteinander verbinden. Insbesondere die Weihnachtstraditionen der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche sind im Laufe der Zeit miteinander verschmolzen und zeigen heute nur noch geringe Unterschiede.

Ein markanter Unterschied besteht jedoch in der Gestaltung der festlichen Gottesdienste: Während Katholiken die Christmette üblicherweise um Mitternacht am 24. Dezember feiern, findet die Christvesper der Protestanten oft bereits am Nachmittag statt. Ein weiterer Unterschied liegt in der Anerkennung des zweiten Weihnachtsfeiertags: Während für Katholiken der 26. Dezember dem Gedenken des heiligen Märtyrers Stephanus gewidmet ist, gilt dieser Tag für Protestanten nicht als eigenständiger Feiertag.

Einige der heute gebräuchlichen Traditionen im Westen finden ihren Ursprung in der protestantischen Konfession. Ein Beispiel hierfür ist die Geschenkeübergabe am 24. Dezember, die eine Erfindung der evangelischen Kirche ist. Martin Luther kritisierte die Heiligenverehrung des Nikolaus, der bis dahin Geschenke am 6. Dezember brachte. Stattdessen führte Luther die Tradition ein, dass das Christkind die Geschenke am 24. Dezember bringt. Auch die Tradition, Geschenke unter einen geschmückten Baum zu legen, wurde von den Protestanten eingeführt. Um das Jahr 1800 stellten sie erstmals Tannenbäume ins Haus. Im Gegensatz dazu behielt die Krippe bei den Katholiken lange Zeit ihren zentralen Stellenwert.

In der Orthodoxie unterscheiden sich die Zeitpunkte der Weihnachtsfeierlichkeiten. Kirchen, die den gregorianischen Kalender verwenden, wie zum Beispiel die griechisch-orthodoxe, bulgarische oder rumänische Kirche, begehen das Fest am 24. und 25. Dezember. Hingegen orientieren sich andere Zweige, wie die russisch-orthodoxe Kirche, am julianischen Kalender und feiern erst am 6. und 7. Januar.

Orthodoxe Gläubige praktizieren, ähnlich wie die altorientalischen Christen, vor Weihnachten eine 40-tägige Fastenzeit. In der Armenischen Apostolischen Kirche heißt die Vorbereitungszeit Hisnak und beginnt 50 Tage vor Weihnachten. Diese Fastenzeit ist jetzt nur für Geistliche eine Pflichtfastenzeit. Die Gläubigen werden eingeladen, an der einwöchigen Fastenzeit vor Weihnachten festzuhalten. Diese Fastenperiode entspricht dem westlichen Advent, dauert jedoch zwei Wochen länger. Während dieser Zeit sind Fleisch, Milchprodukte und Eier generell verboten, während Fisch, Öl und Wein nur an bestimmten Tagen der Woche erlaubt sind. Diese Fastenpraxis dient dazu, den Körper zu reinigen und die spirituelle Vorbereitung auf das Weihnachtsfest zu intensivieren.

In unserer Gemeinde

Dieses Jahr feierten wir in der Armenischen Gemeinde Kehl Weihnachten am 07. Januar, da unser Gemeindepfarrer am 06. Januar Surb Patarag in Göppingen zelebrierte. Nach dem festlichen Gottesdienst fand die traditionelle Wasserweihe statt, die an die Taufe Christi erinnert. Zum Paten wurde dieses Jahr das Vorstandsmitglied Samuel Parlar gewählt.

In seiner herzlichen Ansprache zum Fest überbrachte der Vorstandsvorsitzende der Gemeinde, Hayk Parlar, Glückwünsche an die Gemeindemitglieder. Er drückte seinen aufrichtigen Dank an alle Kirchendiener und Gemeindemitglieder aus, die das Jahr über Unterstützung und aktive Mitwirkung geleistet haben. Trotz der aktuellen Herausforderungen, insbesondere aufgrund fehlender eigener Räumlichkeiten, schaute er optimistisch in die Zukunft und teilte einige spannende Pläne der Gemeinde für das Jahr 2024.

Ein zentrales Thema wird die bevorstehende Vorstandswahl sein. Hayk Parlar ermutigte alle Gemeindemitglieder, sich aktiv daran zu beteiligen und ihre Stimme zu erheben. Er betonte die Bedeutung einer gemeinschaftlichen Gestaltung und Mitwirkung, um die Gemeinde weiter zu stärken.

Pfarrer Diradur vertiefte in seiner bewegenden Predigt die festliche Botschaft von Weihnachten. Er hob hervor, wie das Wort Gottes zu den Menschen kommt, um auf Augenhöhe mit ihnen zu sprechen und bedingungslose Liebe zu verkünden. Diese Botschaft der Hoffnung und Liebe wird Pfarrer Diradur in den kommenden Tagen nach Armenien tragen, um die Aktion „Weihnachtsfreude“ der Diözese umzusetzen. Dabei wird er sich den Ärmsten der Armen widmen. Gemeindemitglieder wurden dazu ermutigt, sich an dieser bedeutenden Aktion zu beteiligen und ihre Solidarität zu zeigen, was sie liebevoll auch getan haben.

AGK